27. November 2017

Deichrückverlegung als Chance oder Hinderung in der Gestaltung einer resilienten und demokratischen Küstenraumpolitik


von A. Cristina de la Vega-Leinert, Susanne Stoll-Kleemann und Elke Wegener

Feuchtgebiet auf Darß

Welche Art von Natur und Landwirtschaft wollen Menschen an der Küste? Sind eher Urlandschaften oder Kulturlandschaften für lokale Einwohner und Touristen attraktiv? Was ist schützenswert? Ist eine rentable Landwirtschaft mit naturnahen Landschaften kompatibel? Wollen wir eine resiliente, dynamische Küste zulassen, die langfristig einen effektiveren Puffer gegen zukünftige Klimafolgen erlauben könnte, auch wenn dies Ausdeichung bedeutet, was die gegenwärtige Landwirtschaft und unsere vertrautes Landschaftsbild vermutlich stark ändern wird? Können wir es uns ökonomisch und ökologisch leisten, die gesamten gegenwärtigen Agrarflächen an der Küste gegen den steigenden Meeresspiegel und dessen Auswirkungen zu schützen? Wer soll dies finanzieren? Wer entscheidet, wie die Küste zukünftig zu gestalten ist? Dürfen Bürger diese Entwicklung aktiv mitentscheiden und mitgestalten? Und inwieweit darf das Gemeinwohl auf Kosten individueller Verluste gesichert werden?

Diese sind einige der Fragen, mit denen wir uns in einem kürzlich im Journal of Coastal Research erschienen Artikel beschäftigen. Angesichts d

Keine Kommentare

20. November 2017

Praktische Anwendung von Ökosystemleistungen zum verbesserten Management von Schutzgebieten


von Uta Schirpke

Naturschutzgebiete sind zur Erhaltung von Biodiversität, Ökosystemen und den damit verbundenen Ökosystemleistungen extrem wichtig. In Europa spielt das Natura-2000-Netz eine bedeutende Rolle. Dieses ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union mit dem Ziel, gefährdete heimische Pflanzen- und Tierarten sowie ihre natürlichen Lebensräume länderübergreifend zu schützen. In vielen dieser Schutzgebiete können jedoch Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität nicht ausreichend umgesetzt werden, vielfach aufgrund von finanziellen Engpässen. Das Konzept der Ökosystemleistungen bietet innovative Management- und Finanzierungsansätze, aber bisher gibt es nur wenige praktische Anwendungsbeispiele, Ökosystemleistungen in das Management von Schutzgebieten zu integrieren.

Im Projekt LIFE+ „Making Good Natura“ wurden in 21 Gebieten in Italien zusammen mit den lokalen Akteuren 13 verschiedene Ökosystemleistungen ausgewählt. Anschließend wurden insgesamt 55 Ökosystemleistungen analysiert und bewertet. Die Ergebnisse zeigen teils große Unterschiede zwischen den einzelnen Gebieten aufgrund unterschiedlicher Umweltbedingungen und eines anderen sozioökonomischen Umfelds. Diese umfassende Analyse bildete dann die Basis für weitere Diskussionen mit verschiedenen lokalen Interessengruppen und führte zu 41 Vereinbarungen über Zahlungen für Ökosystemleistungen (engl. Payments for Ecosystem Services (PES)). Diese Instrumente zur Er

Keine Kommentare

13. November 2017

Zahlungen für Ökosystemleistungen können den Schutz von Wäldern sicherstellen und kleinbäuerliche Produktivität fördern


von Tobias Vorlaufer

Die zentrale Rolle von Wäldern bei der Lösung globaler Probleme wie Klimawandel und Armutsbekämpfung wird zunehmend im öffentlichen Diskurs wahrgenommen. Zum einen tragen Entwaldung und Waldschädigung maßgeblich zu den globalen CO2-Emissionen bei. Insbesondere in Entwicklungsländern machen sie einen Großteil der Klimagasemissionen aus.  Zum anderen spielen Wälder für Millionen von Menschen in ländlichen Gebieten eine zentrale Rolle zur Versorgung mit Brennstoffen, Lebensmittel und anderen natürlichen Ressourcen. Diese und weitere vielfältige Ökosystemleistungen von Wäldern werden durch die anhaltende Entwaldung in Asien, Afrika und Lateinamerika massiv eingeschränkt. Im globalen Maßstab ist die Ausweitung von landwirtschaftlichen Nutzflächen die Hauptursache für Entwaldung. In Entwicklungsländern ist 80% des Waldverlusts zwischen 2000 und 2010 auf eine Ausweitung von landwirtschaftlichen Aktivitäten zurückzuführen.

Abbildung 1: Kleinbauern nutze

Keine Kommentare

6. November 2017

Integration ökosystem-basierter Maßnahmen in Klimaanpassungsstrategien deutscher Großstädte


von Teresa Zölch

Der Klimawandel stellt eine der großen Herausforderungen für die nachhaltige Stadtentwicklung dar. Zunehmend wird die ökosystem-basierte Klimaanpassung (ecosystem-based adaptation; EbA), also die Nutzung von Ökosystemleistungen und Biodiversität zur Anpassung der Gesellschaft an den Klimawandel als ein Lösungsansatz betrachtet. EbA kann entweder eine Alternative oder eine Ergänzung zu traditionellen, oft technischen Anpassungsmaßnahmen darstellen und wird zunehmend auch unter dem Begriff der natur-basierten Lösungen (nature-based solutions) geführt.

Gerade im städtischen Bereich wurde die Umsetzung von EbA bisher kaum untersucht Daher fehlen Informationen zur Wirksamkeit von ökosystem-basierten Maßnahmen für die Klimaanpassung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie diese Maßnahmen in städtische Klimaanpassungskonzepte Eingang finden.

Wir haben in unserer Studie daher die Anwendung von EbA für die strategische Planung von städtischen Klimaanpassungsaktivitäten untersucht. Dafür wurden Dokumente aus allen deutschen Städten, die mehr als 100,000 Einwohner haben, analysiert und miteinander verglichen. 34 dieser Städte hatten bereits eine eigenständige Klimaanpassungsstrategie entwickelt oder diese Aktivitäten in ihre Klimaschutz- oder Stadtentwicklungsstrategie integriert. Die untersuchten Strategiedokumente unterscheiden sich maßgeblich in ihrer Struktur, den Zielsetzungen, ihrem Inhalt und Ausführlichkeit. Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Eb

Keine Kommentare

2. November 2017

Kann man Ökosystemleistungen mit Hilfe von Bürgerwissenschaft erfassen?


von Matthias Schröter (@matthiasschr) und Roland Kraemer (@RolKraemer)

Bürgerwissenschaft, oder Citizen Science, ist das freiwillige, unbezahlte Engagement von Bürger*innen in Forschungsaktivitäten. Dieses Engagement wird zunehmend für die Erfassung von Ökosystemleistungen genutzt. In einer jüngst in der Zeitschrift Ecosystem Services erschienenen Studie (Open Access) haben wir aufgezeigt, welche Ökosystemleistungen bisher durch Citizen-Science-Projekte erfasst werden, mit welchen Mitteln das geschieht und welche Herausforderungen und bisher ungenutzte Potenziale bestehen.

Citizen Science in einem U.S. amerikanischen Nationalpark. Ian Harvey via Flickr (CC BY 2.0)

Zu diesem Zweck führten wir einen systematischen Review wissenschaftlicher Publikationen durch. Da zahlreiche Citizen-Science-Projekte (noch) nicht wissenschaftlich publizieren, haben wir zudem über 1400 Projekte bewertet, die auf Internetplattformen zu finden sind oder auf Konferenzen präsentiert wurden. Es stellte sich heraus, dass nur 17 wissenschaftliche Studien und immerhin 102 weitere Projekte ohne Publikation verschiedene Versorgungs-, regulierende und kulturelle Dienstleistungen mit Hilfe von Citizen Science erfasst haben.

Keine Kommentare