André Tiemann

10. Dezember 2018

geschrieben in Alle Neuigkeiten, ESP-DE Blog

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Wälder stellen eine Vielzahl wertvoller Ökosystemleistungen zur Verfügung. Am prominentesten ist sicherlich die Bereitstellung von Holz für verschiedenste Anwendungszwecke (z.B. Konstruktionsbau, Verpackungs- und Papierindustrie, Energieversorgung). Darüber hinaus stellen Wälder jedoch auch wichtige Regulationsleistungen zur Verfügung. Beispielsweise festigt das Wurzelwerk von Bäumen das Erdreich und mindert somit die Erosion von Sedimenten in Gewässer. In Hinblick auf den Klimaschutz tragen Wälder dazu bei, klimawirksames CO2 zu binden und zu speichern. Eine weitere Bedeutung von Wäldern bezieht sich auf kulturelle Ökosystemleistungen. Wälder können als Orte der Erholung und Freizeitgestaltung genutzt werden oder bewahren menschliches Kulturerbe, wie beispielsweise Hügelgräber oder Zeugnisse traditioneller Bewirtschaftungsformen (z.B. Niederwaldbewirtschaftung).

Jedoch sind Wälder, ihre biologische Vielfalt und die umfangreichen Ökosystemleistungen, die sie erbringen, gefährdet. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization) zeigt in ihrem Bericht zur Gesamtbewertung der Waldressourcen (Global Forest Resources Assessment) 2015 einen jährlichen Rückgang der weltweiten Waldfläche von rund 3,1%. Besonders betroffen ist die Klimaschutzleistung der Wälder. Seit 1990 sinkt die Gesamtmenge des gespeicherten Kohlenstoffs weltweit jährlich um 0,15%.

In Deutschland und vielen zentraleuropäischen Ländern bestehen bereits Systeme, um die Aufrechterhaltung der vielfältigen Leistungen von Wäldern im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung zu gewährleisten. In Deutschland ist dies im Bundeswaldgesetz §1 verankert. Die Leistungen des Waldes werden hier unter den drei Waldfunktionen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion beschrieben. Die Waldfunktionenkartierung stellt das Werkzeug für die integrative Berücksichtigung dieser Waldfunktionen dar. Hierbei handelt es sich um ein Kartenwerk, das die Schutz- und Erholungsfunktionen räumlich darstellt und als Indikator für die Priorisierung der einzelnen Waldfunktionen die Forstbetriebsplanung unterstützt. Die Waldfunktionenkartierung ähnelt in vielerlei Hinsicht dem Ökosystemleistungskonzept. Beispielsweise ist die Unterteilung in Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen vergleichbar mit den Versorgungs-, Regulations- und kulturellen Leistungen des Ökosystemleistungskonzepts. Darüber hinaus kann eine Vielzahl der Waldfunktionen in Ökosystemleistungen übersetzt werden, besonders innerhalb der Versorgungs- und Regulationsleistungen. Jedoch bestehen auch Unterschiede zwischen den beiden Konzepten. Beispielsweise folgt die Waldfunktionenkartierung einem angebotsorientierten Ansatz, während das Ökosystemleistungskonzept auch die Nachfrageseite berücksichtigt. Außerdem sind Waldfunktionen selten quantifiziert und räumliche oder zeitliche Ziele, wie beispielsweise bei der Holzbereitstellung, stehen häufig nicht zur Verfügung. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Waldfunktionenkartierung einem nationalen Ansatz auf dezentraler Ebene mit vielfach individuellen Ausgestaltungsmöglichkeiten folgt (Bottom-Up). In Deutschland bestehen neben einer bundesweiten Richtlinie weitere Richtlinien zur Waldfunktionenkartierung auf Länderebene, was zu einer unterschiedlichen Terminologie und Unterschieden in der Anwendung führt. Mit CICES (Common International Classification of Ecosystem Services) steht im Gegensatz dazu ein Klassifizierungssystem von Ökosystemleistungen zur Verfügung, das einem zentralisiertem Ansatz folgt und auf europäischer Ebene akzeptiert ist (Top-Down).

Der Artikel „Challenges and Opportunities of Aligning Forest Function Mapping and the Ecosystem Service Concept in Germany” trägt dazu bei, diese Klassifizierung und die Waldfunktionenkartierung so aufeinander abzustimmen, dass europäische Staatsforstbetriebe bei der Umsetzung des Ökosystemleistungskonzepts in der Forstbetriebsplanung und Forstbetriebsführung unterstützt werden. Für diesen Zweck wurden die deutschen Richtlinien zur Waldfunktionenkartierung miteinander harmonisiert. Anschließend wurde das Klassifizierungssystem CICES in seiner aktuellsten Version (Version 5.1) angewendet, um die Inhalte aus den Richtlinien zur Waldfunktionenkartierung in einer Ökosystemleistungsperspektive abzubilden (Abb. 1).

Abb. 1: Kombination eines Bottom-Up-Ansatzes mit einem Top-Down-Ansatz zur Harmonisierung der Waldfunktionskartierung in föderalen Systemen und dem Ökosystemleistungskonzept anhand CICES („Common International Classification of Ecosystem Services“).

Ein Kernergebnis dieses Artikels ist ein angepasstes CICES-Rahmenwerk, das die Inhalte der Waldfunktionenkartierung umfassend und präzise abbildet. Abschließend wurden die Chancen und Herausforderungen bei der Abstimmung dieser beiden Konzepte diskutiert.

Autor

André Tiemann arbeitet als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Dresden, Internationales Hochschulinstitut (IHI) Zittau an der Professur für Ökosystemare Dienstleistungen. Seine Forschung fokussiert die Berücksichtigung des Ökosystemleistungskonzepts im Forstsektor.

Veröffentlichung

Tiemann, A.; Ring, I. Challenges and Opportunities of Aligning Forest Function Mapping and the Ecosystem Service Concept in Germany. Forests 2018, 9, 691.

Chancen und Herausforderungen bei der Abstimmung der Waldfunktionenkartierung mit dem Ökosystemleistungskonzept

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