Bernd Hansjürgens

26. Februar 2018

geschrieben in Alle Neuigkeiten, ESP-DE Blog

Schlagwörter:                 

Die Natur in der Stadt ist für die Menschen von essentieller Bedeutung. Sie liefert ihnen ein Bündel an Ökosystemleistungen, die ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden verbessern (Gomez-Baggethun et al. 2013). Die städtischen Belastungen mit Feinstaub und Ozon werden durch Stadtnatur gemildert, Hitze wird durch Grünanlagen und Gewässer, aber auch durch Bäume und Fassadenbegrünungen abgemildert, Parks bieten Möglichkeiten zum Spaziergang, für Spiele und Sport, und sie sind Orte, wo man sich trifft, sich mit anderen austauscht und wo Integration stattfindet.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Studien, die diese starken Zusammenhänge von städtischer Natur und ihren positiven Wirkungen auf menschliche Gesundheit und Wohlbefinden, bessere körperliche Verfassung und Stressabbau belegen (siehe Naturkapital Deutschland – TEEB DE 2016). Dies hat auch positive wirtschaftliche Effekte, wenn man beispielsweise an die Kosten des Gesundheitswesens und der sozialen Sicherungssysteme denkt.

Umgestaltete Emscher in Dortmund (Foto: Michael Schwarze-Rodrian)

Damit wir in unseren urbanen Räumen ein lebenswertes Umfeld erhalten und nicht weiter Einbußen an Gesundheit und Lebensqualität hinnehmen müssen, brauchen wir eine stärkere Wertschätzung der Natur und ihrer Ökosystemleistungen in urbanen Räumen. Wir müssen dafür sorgen, dass dem Verlust an Natur endlich und mit Wucht begegnet wird. Wenn man bedenkt, wie gravierend die Umweltbelastungen durch Verkehr und Emissionen in unseren Städten heute sind, wie stark Stress und körperliche und seelische Belastungen die Menschen in der Stadt beeinträchtigen, dass hierdurch auch soziale Ungleichheit befördert wird, brauchen wir jedoch mehr, als nur einige Bäumchen zu pflanzen und die Wiesen im Stadtpark zu mähen. Wir brauchen eine umfassende urbane Transformation hin zu einer lebenswerteren und nachhaltigeren Stadt. Die Stadt von morgen darf und soll nicht mehr nur ein Ort des eng begrenzten Wohnens und Arbeitens sein. Sie soll vielmehr ein Lebensraum im eigentlichen Sinne sein, d.h. ein Ort, an dem man sich gerne aufhält, indem man seine Freizeit verbringt, wo man sich nicht nur in Häusern, Geschäften und Arbeitsorten  versteckt, sondern draußen im Freien aufhält und in einem umfassenden Sinne „gesund“ lebt. Das Grün in der Stadt, eine Einheit von Natur, Wirtschaften, Wohnen und Leben in der Stadt sind dafür unabdingbare Voraussetzung.

Damit dies keine „Utopia“ bleibt und wir dorthin gelangen, müssen wir die Werte der Natur erkennen und in unseren Entscheidungen besser berücksichtigen (Hansjürgens et al. 2018). Wir dürfen nicht mehr blind gegenüber den Leistungen der Natur sein, die so untrennbar mit unserem Wohlbefinden  verbunden sind. Der TEEB-Ansatz „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“ will genau auf diese Notwendigkeit aufmerksam machen. Er will die Bedeutung der Natur ins Bewusstsein rücken, indem er darauf verweist, wie eng Naturleistungen mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden verbunden sind. Er will Entscheidungsprozesse verändern, in dem er einfordert, dass bei Entscheidungen über das Bauen und Wohnen in der Stadt Abwägungen unter Einschluss der Natur und ihrer Leistungen – und nicht wie bisher: unter ihrem Ausschluss – vorgenommen werden. Ich bin davon überzeugt, dass ein solcher Ansatz ein ganz wesentliches Element einer urbanen Transformation darstellt, ja dass letztere ohne eine solche Perspektive nicht gelingen kann.

Bernd Hansjürgens ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Umweltökonomik, an der Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg und Leiter des Themenbereichs „Umwelt und Gesellschaft“ am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Er ist Studienleiter des von 2012 bis Anfang 2018 laufenden Vorhabens Naturkapital Deutschland – TEEB DE, dem deutschen Nachfolgeprojekt der internationalen TEEB Studie „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“, dessen wissenschaftliche Koordination ebenfalls beim UFZ lag.

Weiterführende Literatur:

Gomez-Baggethun, E. et al. (2013): Urban Ecosystem Services, in: T. Elmquist et al. (eds.): Urbanization, Biodiversity and Ecosystem Services: Challenges and Opportunities: A Global Assessment, Berlin et al.: Springer Publisher, pp. 175-251. doi: 10.1007/978-94-007-7088-1_11

Hansjürgens, B., Brenck, M., Bartz, R., Kowarik, I. (2018): The TEEB Approach for Urban Transformations, in: Kabisch, S. et al. (eds.) Urban Transformations. Sustainable Development Through Resource Efficiency, Quality of Life and Resilience, Berlin et al.: Springer Publisher, S. 117-132. doi: 10.1007/978-3-319-59324-1_7

Naturkapital Deutschland – TEEB DE (2016): Ökosystemleistungen in der Stadt – Gesundheit schützen und Lebensqualität erhöhen, hrsg. von I. Kowarik, R. Bartz und M. Brenck, Berlin und Leipzig: TU Berlin und Helmholtz Zentrum für Umweltforschung. pdf

 

Der TEEB Ansatz für urbane Transformation

Kommentar verfassen