Ina Sieber

10. Juli 2018

geschrieben in Alle Neuigkeiten, Erfassen und Bewerten (MAES-DE), ESP-DE Blog

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Die EU-Biodiversitätsstrategie, besonders Maßnahme 5 des zweiten Zieles, beinhaltet die Vorgaben für Europas Mitgliedsstaaten, bis 2014 ihre Ökosystemleistungen (ÖSL) zu kartieren, zu bewerten und bis 2020 den ökonomischen Wert dieser Leistungen zu prüfen (MAES Initiative). Weiterhin sollen diese in nationale Berichterstattungs- und Rechnungslegungssysteme einbezogen werden. Die Leibniz Universität Hannover koordiniert das EU Verbundprojekt ESMERALDA[1] (Enhancing ecoSysteM sERvices mApping for poLicy and Decision mAking), welches die EU Mitgliedsstaaten bei der Erfüllung der Strategie unterstützt und damit europaweit bereits große Erfolge erzielt hat.

Europas 34 überseeische Länder und Hoheitsgebiete werden in diesem Zusammenhang jedoch oft übersehen und nur peripher in nationalen Ökosystem-Assessments berücksichtigt.

In unserem aktuell erschienenen Artikel (Sieber et al. 2018) haben wir den Wissenstand aller europäischen Überseegebiete anhand einer systematischen Literaturanalyse untersucht. Hierbei wurde klar, dass trotz fundierten Wissens zu Biodiversität und taxonomischen Studien nur wenig über Ökosysteme und ihre vielfältigen Leistungen in den verschiedenen Inselgebieten bekannt ist. Unsere Literaturanalyse ergab, dass sich lediglich 161 englischsprachige Publikationen mit ersten Ansätzen des Kartierens und Bewertens von Ökosystemleistungen in diesen Regionen befasst haben. Die meisten dieser Studien thematisieren Ökosystemleistungen auf globaler oder multi-nationaler Ebene und sind daher eher marginal geeignet, um Rückschlüsse auf die lokale Bereitstellung von ÖSL zu geben.

Auch sonst wurde deutlich, dass die ÖSL-Forschung in den europäischen Überseegebieten noch in den Kinderschuhen steckt. Die Literaturanalyse verdeutlicht das Fehlen von konzeptionell einheitlichen Bezugsrahmen in den Überseegebieten, um Ökosystemleistungen zu erfassen: Die im Rahmen verschiedener EU-Aktivitäten entwickelte CICES ÖSL-Klassifikation hat in den EU Überseegebieten bisher wenig Anwendung gefunden. Auch Wissenslücken zu marinen und Inselökosystemen kristallisierten sich heraus – hier liegt der Fokus größtenteils auf marinen Schutzzonen, ganzheitliche Studien fehlen jedoch ebenso wie eine umfassende räumliche Abdeckung aller Gebiete. Während die karibischen und pazifischen Gebiete durch Ökosystemleistungsstudien laut unserer Analyse noch am besten abgedeckt sind, fehlen entsprechende Studien in anderen Regionen wie dem Südatlantik und den Polar und Sub-Polargebieten.

Die Überseegebiete, meist kleine Inselstaaten, stehen vor  spezifischen Herausforderungen in der Umsetzung der EU-Biodiversitätsrichtlinie: ÖSL werden oftmals auf kleineren räumlichen Ebenen bereitgestellt – einzelne Inseln umfassen Korallenriffe, Sumpflandschaften und montane Ökosysteme auf kleinstem Raum. Auch sind ÖSL-Angebot und Nachfrage oftmals komplexer und räumlich entkoppelt. Dies bedeutet, dass die in Europa angewandten Methoden zu Kartierung und Bewertung von ÖSL hier oftmals nur bedingt anwendbar sind.

Daher bedarf es benutzergesteuerten, flexiblen, aber dennoch europäisch vergleichbaren Kartierungs- und Bewertungsmethoden, um die Ökosysteme und deren Leistungen der europäischen Überseegebiete zu kartieren und Wissenslücken zu schließen.

Was im EU Verbundprojekt ESMERALDA begann, soll nun im Rahmen des EU MOVE Projektes (Facilitating MAES to support regional policy in OVerseas Europe: mobilizing stakeholders and pooling resources) bis 2021 weiter erforscht und koordiniert werden.

Veröffentlichung

Artikel: Sieber I, Borges P, Burkhard B (2018) Hotspots of biodiversity and ecosystem services: the Outermost Regions and Overseas Countries and Territories of the European Union. One Ecosystem 3: e24719. https://doi.org/10.3897/oneeco.3.e24719 Link zum Open Access Artikel: https://oneecosystem.pensoft.net/article/24719/

 

Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen in Europas Überseegebieten

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