Anna-Lena Rau

7. Februar 2019

geschrieben in Alle Neuigkeiten, ESP-DE Blog

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Seit Anfang der 2000er Jahre finden die Konzepte Transformation, Transition und Regime Shift zunehmend Verwendung in der Literatur über Ökosystemleistungen. Hierbei handelt es sich um verschiedene Konzepte, die sich allesamt mit Veränderungen in Systemen befassen, dabei aber unterschiedliche Blickwinkel einnehmen.

  • Transformation: Gesellschaftlicher Wandel hin zur Nachhaltigkeit
  • Transition: Übergang, Wandel, Umstellung, ebenfalls in Bezug auf Nachhaltigkeit
  • Regime Shift: Tiefgreifende Veränderung in einem System

Wir haben die Literatur zu Ökosystemleistungen mit Hilfe eines systematischen Literatur-Reviews in den Datenbanken Scopus und ISI Web of Science durchsucht, um herauszufinden, wie diese Begriffe genutzt werden. Dabei haben wird 258 relevante Publikation gefunden, die sich i) mit Ökosystemleistungen und ii) mit Transformation, Transition und/oder Regime Shifts auseinandersetzen.

Von den drei Konzepten wurde am häufigsten der Begriff Transformation erwähnt (197 Artikel), gefolgt von Transition (183 Artikel) und Regime Shift (43 Artikel). Definitionen für diese Begriffe wurden allerdings insgesamt nur in 34 Artikeln gegeben. Die Anzahl der Definitionen für Regime Shifts fiel am höchsten aus, obwohl dieser Begriff im Vergleich zu den anderen beiden am seltensten vorkam (siehe Abbildung).

Anzahl der Artikel, in denen die Begriffe nur erwähnt („only mentioned“) oder auch definiert („defined“) wurden.

Mit einer Cluster-Analyse teilten wir die Literatur in drei Gruppen. Die erste Gruppe besteht aus 60 Artikeln und hat einen stark ökologischen Fokus. Die Aspekte, die Artikel dieser Gruppe gemeinsam haben, sind die Untersuchung von Ökosystemen und die Darstellung von Veränderungen in der natürlichen Umwelt. In der zweiten Gruppe, die über 40 Artikel verfügt, ist die Gemeinsamkeit aller Artikel, dass sie  sozio-ökologische Systeme untersuchen. Hier stehen die Beziehungen von Mensch und Natur im Vordergrund, auch wenn diese mit sehr unterschiedlichen Ansätzen untersucht werden. Die dritte Gruppe ist mit 104 Artikeln die größte und ist auf Zielwissen, transformatives Wissen und das sozialen System sowie sozio-ökonomische und sozio-ökologische Aspekte fokussiert.

Im Zuge einer qualitativen Literaturanalyse haben wir außerdem sieben Kriterien identifiziert, die häufig in den Definitionen vorkommen und anhand dieser Kriterien alle gefundenen Definitionen für die Konzepte Transformation, Transition und Regime Shift analysiert (siehe Tabelle).

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Konzepte.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Konzepte.

Aus dieser Analyse haben wir neue Definitionen abgeleitet, die die Konzepte klar voneinander abgrenzen und dazu beitragen können, den Austausch zwischen verschiedenen Literatursträngen zu ermöglichen (siehe Original-Artikel).

Basierend auf unseren Ergebnissen stellen wir fest, dass die Forschung zu den Themen Transformation, Transition und Regime Shifts innerhalb der Literatur zu Ökosystemleistungen nicht konsolidiert ist. Dies kann dazu führen, dass die Forschung zu diesen Themen auch in Zukunft weiter in voneinander getrennten Literatursträngen fortgeführt wird, anstatt gemeinsam an diesen dennoch ähnlichen Themen zu arbeiten und sich über Disziplinen hinweg auszutauschen.

Außerdem befassen sich die meisten Artikel mit (negativen) Veränderungen, die in der Vergangenheit liegen, anstatt positive Visionen für eine nachhaltigere Zukunft von Ökosystemleistungen zu zeichnen, sowie den Weg dorthin zu erkunden. Transformation stellt ein dafür geeignetes Konzept dar, das zukunftsorientiert ist und nicht-wissenschaftliche Akteur_innen mit einbezieht.

Publikation:

Rau, A.-L., Bickel, M. W., Hilser, S., Jenkins, S. McCrory, G., Pfefferle, N., Rathgens, J., Roitsch, D., Schroth, T., N., Stålhammar, S., Villada, D., Weiser, A., Wamsler, C., Krause, T., von Wehrden, H., 2018. Linking concepts of change and ecosystem services: A systematic review. Change and Adaptation in Socio-Ecological Systems 4, 33–45. doi: 0.1515/cass-2018-0004

Kostenloser Download (Open Access) unter:  https://www.degruyter.com/view/j/cass.2018.4.issue-1/cass-2018-0004/cass-2018-0004.xml?format=INT

Verfasserin:

Anna-Lena Rau ist Doktorandin an der Fakultät Nachhaltigkeit in der Arbeitsgruppe Quantitative Methoden der Nachhaltigkeitswissenschaft von Prof. Dr. Henrik von Wehrden. Ihre Forschung befasst sich mit zeitlichen Dynamiken von Ökosystemleistungen sowie mit der Transformation zur nachhaltigen Gesellschaft. Als Biologin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin gilt ihr besonderes Interesse den Interaktionen von Mensch und Natur.

Projekt:

Diese Publikation ist im Rahmen einer seit 2013 bestehenden Kooperation der Fakultät Nachhaltigkeit  an der Leuphana Universität Lüneburg und des Centre for Sustainability Studies (LUCSUS) an der Universität Lund entstanden. In diesem Lehr- und Forschungsprojekt geht es darum, mit forschungsinteressierten Masterstudierenden unter der Anleitung von Doktoranden systematische Literatur-Reviews zu Themen der Nachhaltigkeit durchzuführen und in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Dadurch können die Studierenden bereits frühzeitig Erfahrungen im Erstellen von wissenschaftlichen Artikeln sammeln.

Nutzung der Konzepte Transformation, Transition und Regime Shift in der Literatur über Ökosystemleistungen

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