Thomas Falk

1. Oktober 2018

geschrieben in Alle Neuigkeiten, ESP-DE Blog

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Ökosysteme generieren vielfältigen Nutzen für Mensch und Umwelt. Um dieses produktive Potential zu erhalten und zu stärken, ist es erforderlich Investitionen in Ökosysteme und ihre Nutzung so zu regeln, dass die gesellschaftliche Wohlfahrt erhöht wird. Es gibt allerdings eine große Bandbreite von Ökosystemleistungen mit unterschiedlichen Merkmalen. Es ist daher nicht leicht zu entscheiden, mit Hilfe welcher Regeln Investition und Nutzung am besten koordiniert werden. Politische und andere Entscheidungsträger sind mit dieser Situation häufig überfordert.

Im Rahmen des Förderschwerpunktes Nachhaltiges Landmanagement des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellte sich eine Forschergruppe die Frage, wie die Koordinationsherausforderungen in Bezug auf die Bereitstellung von Ökosystemleistungen strukturiert werden können, um Entscheidungsträger darin zu unterstützen, geeignete Regelungsmechanismen zu finden.

Die Forschergruppe entwickelte einen konzeptionellen Rahmen, um besser zu verstehen, welche Regelungsherausforderungen besondere Aufmerksamkeit erfordern. Zunächst einmal unterscheidet der konzeptionellen Rahmen zwischen verbessernden und entnehmenden Aktivitäten. Verbessernde Aktivitäten beziehen sich auf Anstrengungen, die produktive Kapazität eines Ökosystems zu erhalten oder zu verbessern. Entnehmende Aktivitäten bedeuten, dass etwas aus dem Ökosystem geerntet wird.

Verbessernde Aktivitäten sind relativ unproblematisch, wenn es einfach ist, andere von der Nutzung auszuschließen. In solchen Situationen bestehen starke Anreize in die Bereitstellung der Ökosystemleistungen zu investieren. Das geschaffene Gut lässt sich direkt tauschen. Es kann sichergestellt werden, dass derjenige der investiert auch von der Investition profitiert. Wenn zum Beispiel Getreide angebaut wird, lässt sich dieses vom Bauern relativ einfach schützen und auf dem Markt verkaufen. Ist der Nutzungsausschluss jedoch schwierig, bestehen Anreize, auf die Investitionen anderer zu hoffen und dann trotzdem zu profitieren. Ein Beispiel hierfür sind Klimaschutzinvestitionen. Ob ich nun zu diesen beitrage (z.B. durch das Pflanzen von Bäumen) oder nicht, beeinflusst nicht, ob ich später von den Beiträgen anderer profitiere.

Entnehmenden Aktivitäten sind besonders kritisch, wenn die Nutzung einer Person den Nutzen anderer Personen beeinflusst. Problematisch ist dies vor allem bei Gemeinschaftsgütern. In Abhängigkeit von der Schwierigkeit des Nutzungsausschlusses und der Konkurrenz in der Nutzung sind unterschiedliche Regelungsmechanismen am besten geeignet um Ineffizienzen in den Aktionsarenen aufzulösen. Wir unterscheiden dabei insbesondere zwischen marktbasierten, staatlichen und kooperationsbasierten Regelungsmechanismen. Daraus folgt, dass Investitionen und Nutzung von diversen Ökosystemleistungen am besten von unterschiedlichen Reglungsmechanismen koordiniert werden. Daraus folgt weiter, dass die Regelung eines Ökosystems aus der Interaktion verschiedenartiger Reglungsmechanismen besteht, welche die Investitionen und Nutzung der Ökosystemleistungen koordinieren.

Wir haben den konzeptionellen Rahmen auf sechs Waldgebieten auf drei Kontinenten angewendet. Das offensichtlichste Ergebnis war, dass der primäre Nutzungskonflikt zwischen als privates Gut klassifizierten Ökosystemleistungen und öffentlichen und Gemeinschaftsgut Ökosystemleistungen besteht. Uns ist weiterhin aufgefallen, dass Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Akteure häufig annehmen, dass eine nachhaltige Landnutzung möglich ist, wenn Anreize geschaffen werden, lokale Gemeinschaftsgüter nachhaltig zu nutzen. Diese Annahme bedarf aber zumindest einer genauen fallspezifischen Überprüfung. In vielen Fällen ist davon auszugehen, dass Nachhaltigkeit nicht allein auf Basis von lokal genossenen Ökosystemleistungen erreicht werden kann. Auch wer regional, national oder global von Ökosystemleistungen profitiert, sollte sich stärker an deren Bereitstellung beteiligen. Um die Nutznießer besser einzubinden, sind innovative Austauschmechanismen erforderlich.

Veröffentlichung:

Falk, Thomas, Joachim H. Spangenberg, Marianna Siegmund-Schultze, Susanne Kobbe, Til Feike, Daniel Kuebler, Josef Settele, and Tobias Vorlaufer. „Identifying governance challenges in ecosystem services management–Conceptual considerations and comparison of global forest cases.“ Ecosystem Services 32 (2018): 193-203. doi:10.1016/j.ecoser.2018.07.012

Eigenschaften von Ökosystemleistungen, verwandte Aktionsarenen und Auswirkungen auf den Regelungsrahmen von Ökosystemen (basierend auf der Gütertypologie von Ostrom 2009)
  Konkurrenz in der Nutzung
Niedrige Konkurrenz Starke Konkurrenz
Einfachheit des Nutzungsausschlusses Schwierig Art der Ökosystem-leistung Öffentliches Gut Ökosystemleistung Gemeinschaftsgut Ökosystemleistung
Zentrale Aktionsarenen Verbessernde Aktionsarena Verbessernde und Nutzungs-Aktionsarenen
Häufige Koordinations-herausforderungen Eine große Zahl von weit verstreuten Nutzern, Wert schwierig zu schätzen. Unsichere Verfügungsrechte, Trittbrettfahren, Übernutzung
Übliche Koordinationsansätze Staatliche Regulierung, Steuern, hybride konditionale Zahlungen

 

Kooperation, Gemeinschaftsbasiertes Management, Gruppenverfügungsrechte, staatliche Regulierung
Einfach Art der Ökosystem-leistung Club Gut Ökosystemleistung Privates Gut Ökosystemleistung
Zentrale Aktionsarenen Verbessernde Aktionsarena Nutzungs-Aktionsarena
Häufige Koordinations-herausforderungen Unsichere Verfügungsrechte, Wert unklar oder ignoriert

 

Unsichere Verfügungsrechte, versteckte Kosten der Nutzung aufgrund von Konkurrenz mit Öffentlichen und Gemeinschaftsgut Ökosystemleistung
Übliche Koordinationsansätze Marktmechanismen Marktmechanismen, staatliche Regulierung

 

Wege weisen im Dschungel der Regelung von Ökosystemleistungen

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