Tobias Vorlaufer

13. November 2017

geschrieben in Alle Neuigkeiten, ESP-DE Blog

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Die zentrale Rolle von Wäldern bei der Lösung globaler Probleme wie Klimawandel und Armutsbekämpfung wird zunehmend im öffentlichen Diskurs wahrgenommen. Zum einen tragen Entwaldung und Waldschädigung maßgeblich zu den globalen CO2-Emissionen bei. Insbesondere in Entwicklungsländern machen sie einen Großteil der Klimagasemissionen aus.  Zum anderen spielen Wälder für Millionen von Menschen in ländlichen Gebieten eine zentrale Rolle zur Versorgung mit Brennstoffen, Lebensmittel und anderen natürlichen Ressourcen. Diese und weitere vielfältige Ökosystemleistungen von Wäldern werden durch die anhaltende Entwaldung in Asien, Afrika und Lateinamerika massiv eingeschränkt. Im globalen Maßstab ist die Ausweitung von landwirtschaftlichen Nutzflächen die Hauptursache für Entwaldung. In Entwicklungsländern ist 80% des Waldverlusts zwischen 2000 und 2010 auf eine Ausweitung von landwirtschaftlichen Aktivitäten zurückzuführen.

Abbildung 1: Kleinbauern nutzen in der Forschungsregion vorwiegend Brandrodung

Der grundlegende Konflikt zwischen landwirtschaftlicher Entwicklung und dem Erhalt von Wäldern wird zusätzlich durch Politikmaßnahmen verschärft, die auf eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität abzielen. Beispielweise haben im letzten Jahrzehnt eine steigende Zahl afrikanischer Staaten die Subventionierung von Mineraldüngern (wieder-)eingeführt. Diese Subventionen beabsichtigen meist die Erhöhung der kleinbäuerlichen Produktivität, die in Sub-Sahara Afrika weit unter dem globalen Durchschnitt liegt. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass eine Zunahme der landwirtschaftlichen Produktivität in der Vergangenheit nur in Ausnahmefällen zu einer Verringerung der Anbauflächen geführt hat. In vielen Fällen führen Produktivitätssteigerungen zu einer Ausweitung der Produktionsflächen, da steigende Gewinne von Kleinbauern oftmals direkt in die Landwirtschaft reinvestiert werden.

Abbildung 2: Eine wachsende Zahl von Kleinbauern bewirtschaften größere Flächen mithilfe von Traktoren

Eine zentrale Frage ist daher inwiefern Politikmaßnahmen eine Steigerung der kleinbäuerlichen Flächenproduktivität erreichen und zeitgleich ein Rückgang der Entwaldung sicherstellen können. Zahlungen für Ökosystemleistungen, auf Englisch payments for ecosystem services oder kurz PES, sind ein potentielles Politikinstrument, um für Kleinbauern zusätzliche Anreize zum Erhalt von Wäldern zu schaffen. Im Kontext von Waldschutz beinhalten PES in der Regel eine festgelegte Zahlung an Waldbesitzer, die sich im Gegenzug verpflichten ihre Wälder zu schützen. Bestehende Unterstützung von Kleinbauern, u.a. durch die Bereitstellung von subventionierten Produktionsmitteln, können potentiell mit PES verbunden werden. Unter solch einem Instrument würden Kleinbauern Produktionsmittel wie Mineraldünger und verbessertes Saatgut erhalten und im Gegenzug sich vertraglich verpflichten, keine weiteren Waldflächen zu roden.

In einer kürzlich veröffentlichen Studie haben wir mithilfe von „Choice Experimenten“ Präferenzen von Kleinbauern für solch ein PES-Instrument untersucht. In dem „Choice Experiment“ mussten sich Kleinbauern zwischen verschiedenen hypothetischen PES-Verträgen entscheiden. Die Verträge wurden anhand von fünf Attributen mit klar definierten Ausprägungen beschrieben. Hierzu zählten der Zahlungsmodus – Barzahlungen oder Zahlungen in Form von Produktionsmitteln – sowie die Zahlungshöhe, die implementierende Organisation, die erlaubte Forstnutzung sowie die Vertragslänge. Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 320 Kleinbauern in Sambia, Mumbwa Distrikt befragt. Das Forschungsgebiet ist Teil eines ausgewiesenen Schutzgebietes am Rande des Kafue National Parks und besteht zurzeit aus einem Mosaik aus landwirtschaftlicher Anbauflächen, Siedlungen und Wäldern. Die Ausweitung kleinbäuerlicher Landwirtschaft führt jedoch zu einem raschen Rückgang der Wälder: zwischen 2010 und 2014 haben 50% der befragten Haushalte Flächen für die Landwirtschaft gerodet.

Abbildung 3: Ein Forschungsassistent erklärt das Choice Experiment einer Teilnehmerin

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kleinbauern bereit sind auf die weitere Rodung von Waldflächen vertraglich zu verzichten, wenn sie eine Kompensationszahlung erhalten. Haushalte mit Plänen, in den nächsten drei Jahren zu roden, erwarten höhere Zahlungen, aber sind prinzipiell bereit an einem PES-Programm teilzunehmen. Kompensationszahlungen können signifikant geringer sein, wenn statt Barzahlungen die PES Teilnehmer mit Mineraldünger sowie Saatgut bezahlt werden. Zum einen sind solche Produktionsmittel nur in der Distrikthauptstadt zu kaufen, so dass viele Kleinbauern eine direkte Lieferung gegenüber Barzahlungen bevorzugen. Zum anderen hat nur ein kleiner Teil der ländlichen Bevölkerung in Sambia Zugang zu Finanzprodukten, die ein gezieltes Sparen auf die Investition in Dünger und Saatgut erleichtern. Unsere Ergebnisse zeigen exemplarisch für Sambia, dass PES mit bestehenden Subventionsprogrammen von Produktionsmitteln für Kleinbauern kombiniert werden können, um sowohl Wälder zu schützen als auch die Produktivität der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu fördern.

Autor

Tobias Vorlaufer ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Entwicklungs- und Kooperationsökonomie an der Philipps-Universität Marburg (E-Mail: vorlaufer@staff.uni-marburg.de). Die vorgestellte Studie wurde im Rahmen des SASSCAL Projektes erstellt.

Veröffentlichung

Vorlaufer, Tobias, Thomas Falk, Thomas Dufhues, and Michael Kirk. 2017. “Payments for Ecosystem Services and Agricultural Intensification: Evidence from a Choice Experiment on Deforestation in Zambia.” Ecological Economics 141 (November):95-105. https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2017.05.024.

Zahlungen für Ökosystemleistungen können den Schutz von Wäldern sicherstellen und kleinbäuerliche Produktivität fördern

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