27. März 2017

Ein Konzept, viele Perspektiven – eine Analyse der verschiedenen (wertebasierten) Verständnisse von Ökosystemdienstleistungen


von Verena Hermelingmeier

Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen (Ecosystem Services) findet Anwendung in vielen Forschungsbereichen und erfreut sich immer größerer Beliebtheit in der Forschungsgemeinschaft. Doch was ist Kern dieses allseits verwendeten Konzepts und gibt es ein gemeinsames Verständnis darüber, was es bedeutet, wozu es dient, wie es angewendet wird? In unserem Artikel „Identifying Five Different Perspectives on the Ecosystem Services Concept Using QMethodology“, beschreiben wir eine Analyse verschiedener Perspektiven auf das Konzept der Ökosystemdienstleistungen mithilfe der QMethodologie.

Durch einen Mix aus qualitativer Erhebung von sogenannten Qsorts – der Sortierung verschiedener Aussagen zu Ökosystemdienstleitungen nach ihrer Bedeutung für den jeweiligen Teilnehmer – und deren quantitativer Auswertung mithilfe des statistischen Programms R, konnten wir fünf verschiedene Perspektiven ermitteln und benennen. Sie unterscheiden sich insbesondere in wertebasierten Aspekten – hat Natur einen intrinsischen Wert? Ist eine utilitaristische Herangehensweise sinnvoll? Inwiefern kann man Natur einen monetären Wert zuschreiben? Wir konnten also eindeutige Unterschiede

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20. März 2017

Warum ein vielfältiges Ökosystem ökonomisch wertvoller ist


von Bartosz Bartkowski

Wenn Ökonomen den Wert von Ökosystemen berechnen, konzentrieren sie sich üblicherweise auf einzelne Elemente (bspw. eine Art) oder einzelne Prozesse (z. B. Wasserfiltration). Es geht also um die Identität der Elemente/Prozesse. Gerade wenn man im Kontext der Ökosystemdienstleistungen operiert, ist dies auch durchaus sinnvoll; für diese kann man in der Regel sog. Service Providing Units identifizieren und die Bewertung auf diese beziehen. Wenn man allerdings jenseits der Identitäten, der konkreten Elemente von Ökosystemen schaut, stellt sich die Frage, ob deren Vielfalt vielleicht auch aus ökonomischer Sicht interessant ist. Die Fülle der ökologischen Literatur, die sich speziell mit der Bedeutung von Vielfalt – von Biodiversität – befasst, legt nahe, dass dies auch aus ökonomischer Perspektive interessant sein könnte. Man fragt sich also: ist ein vielfältiges Ökosystem ökonomisch wertvoller als ein weniger vielfältiges? Und wenn ja, warum?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man sich erst einmal klar darüber werden, was eigentlich mit „Vielfalt“ bzw. speziell „Biodiversität“ gemeint ist. Gerade der zweite Begriff wird in unterschiedlichen Kontexten sehr unterschiedlich verwendet. Häufig wird er implizit als Synonym für „Natur“ genutzt – was nicht falsch sein muss; doch in analytischen Kontexten nicht sehr hilfreich. Es ist definitiv zweifelhaft, dass es die eine Definition von Biodiversität für alle Kontexte geben kann. F

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15. März 2017

Blog zum 5. Plenum des “Weltbiodiversitätsrat” (IPBES)


von Jonas Geschke und Rainer Schliep

Vom 7. bis 10. März 2017 kamen Vertreter der 126 IPBES-Mitgliedsstaaten zum 5. Mal zu einem Plenum zusammen. Doch was ist IPBES, das Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services oder auch “Weltbiodiversitätsrat” genannt, eigentlich? – Und wozu ist IPBES als Institution an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik hilfreich? – Welche Themen sind die am heißesten diskutierten?

Zu diesen Fragen sowie zu den Zielen und zur Funktionsweise von IPBES stellt das NeFo-Team auf seiner Webseite allgemeine Informationen und Broschüren zur Verfügung. Zudem hat das NeFo-Team sowohl den BSPIN-Workshop zum 5. IPBES-Plenum (BSPIN ist das Netzwerk für Nachwuchswissenschaftler im Science-Policy-Interface) als auch den Stakeholder Day am Tag vor dem eigentlichen Plenum (als Stakeholder werden alle Wissensträger und Akteure im IPBES-Prozess bezeichnet) und die Konferenz selbst intensiv begleitet und über die Fortschritte und Ergebnisse berichtet.

Im NeFo-Blog zum 5. IPBES-Plenum finden Sie nicht nur Erläuterungen zu den verschiedenen Dokumenten, die während des Plenums verhandelt wurden, sondern auch tagesaktuelle Zusammenfassungen der jeweiligen Verhandlungstage sowie individuelle Beitr

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9. März 2017

Kulturelle Ökosystemleistungen in der Stadt im Fokus: räumliche Muster von Wahrnehmung, Werten und Nutzen


von Emily Rall und Dagmar Haase

Zu den wichtigsten Ökosystemleistungen in Städten gehören kulturelle Leistungen wie Erholung, Natur erleben und erfahren, und Möglichkeiten zum soziale Begegnungen. Diese Leistungen haben eine große Bedeutung für Lebensqualität von Stadtbewohnern, und das nicht nur als Ausgleich zum Alltagsstress und Lärm, sondern auch als Ort für soziale Integration, Ortsbindung und Umweltbewusstsein. Der zunehmende „Run“ auf die Städte und Innenverdichtung bedrohen aber die „grünen Lungen“ der Städte und damit die Erfüllung dieser kulturellen Ökosystemleistungen. Das wurde bisher nur selten wissenschaftlich untersucht.

Im EU-FP7 Forschungsprojekt GREEN SURGE werden daher verschiedene Ansätze zur Planung und Implementierung von urbaner grüner Infrastruktur entwickelt, um die Stadtbevölkerung besser mit Ökosystemleistungen zu versorgen und zu verstehen, was Stadtbewohner an Stadtnatur besonders schätzen. Ein Teilbeitrag erkundete spezifisch kulturelle Ökosystemleistungen. Mit Hilfe einer internetbasierten Umfrage, einem sogenannten ‚Geo-Fragebogen‘, konnten Werte und Nutzungen von Grünflächen sowie Meinungen und Erfahrungen zu diverse Themen von vielen Berliner Bewohnern erfragt und räumlich verortet werden. Ziel der Studie war

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1. März 2017

Erreichbarkeit von Grünflächen in Städten – ein bundesweiter Überblick


von Benjamin Richter und Karsten Grunewald

Das Thema Grün in der Stadt spielt in unterschiedlichsten Strategien von Politik und Naturschutz eine bedeutsame Rolle. So sollen mit dem Grün- und Weißbuch „Stadtgrün“ den Städten in Deutschland Handlungsmöglichkeiten zur Förderung der Ausstattung mit Grünflächen aufgezeigt werden. In der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wird u.a. das Ziel einer fußläufigen Erreichbarkeit öffentlicher Grünflächen mit vielfältigen Funktionen formuliert. Grünflächen in Städten stellen eine Vielzahl an Ökosystemleistungen bereit; so profitiert der Mensch u.a. von der Luftfilterfunktion und einer geringeren Temperatur im Sommer sowie der Möglichkeit, die Flächen zur aktiven und passiven Erholung sowie als Begegnungsort zu nutzen. Damit gehen eine Reihe positiver Wirkungen für die menschliche Gesundheit von Grünflächen aus.

Zur Untersetzung der Förderung von urbanen Grünflächen sind belastbare und wiederholt messbare Indikatoren nötig. Im Forschungsprojekt „Ökosystemleistungs-Indikatoren “ wurden vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (I

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