25. Juli 2019

Über den Zusammenhang zwischen Gerechtigkeitsempfinden und Aufforstung


von Jens Rommel, Swedish University of Agricultural Sciences & Stefan Gehrig (unabhängiger Wissenschaftler, Berlin)

Der Schutz tropischer Wälder kann einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels und zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten. LandnutzerInnen im Rahmen von Programmen für den Schutz des Waldes zu bezahlen (Payments for Ecosystem Services, REDD+) ist zunehmend populär, vor allem dort, wo Armut die (Über-)Nutzung natürlicher Ressourcen bedingt. Die Art der Zahlung kann jedoch das Gerechtigkeitsempfinden und die Motivation einen Beitrag zum Erhalt der Wälder zu leisten, beeinflussen.

Ist es gerechter, LandnutzerInnen für den Schutz des Waldes einheitlich und pauschal zu bezahlen? Oder soll man lieber nach dem Aufwand oder dem Zustand des Waldes bezahlen? Dieser Frage sind wir in einem Experiment mit mehr als 250 DorfbewohnerInnen in ländlichen Regionen Nordvietnams nachgegangen.

In unserem ökonomischen Experiment hatten TeilnehmerInnen 45 Minuten Zeit, um Substrate (kleine Beutel mit humusreicher Erde zur Anzucht von Bäumen) vorzubereiten (siehe Abbildung 1). Diese Substrate wurden später tatsächlich zur Aufforstung genutzt. Für diese Tätigkeit wurden TeilnehmerInnen auf vier verschiedene Arten bezahlt (TeilnehmerInnen konnten dabei in etwa einen für die Region üblichen Tageslohn verdienen). Für einige TeilnehmerInnen hing die Bezahlung vom eigenen Arbeitsaufwand ab (Akkordlohn, merit in Abbildung 2), für andere nicht (Pauschale, fixed in Abbildung 2). Einige TeilnehmerInnen starteten bereits mit einigen Substraten, an

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18. Juli 2019

Naturbasierte Lösungen für Umweltprobleme in Städten – ein Anwendungsfall für die stringente Umsetzung von urbanen Ökosystemleistungen?


von Dagmar Haase und Diana Dushkova

Um sich den Herausforderungen des Klimawandels, des Erhalts städtischer Ökosysteme, des Biodiversitätsverlusts und menschlicher Gesundheit in unseren europäischen Städten effizienter und zielorientierter zu stellen, rücken sogenannte „naturbasierte Lösungen“ (nature-based solutions oder kurz NBS) immer stärker in den Blickpunkt von Forschung und Politik. Diese können bei der Bewältigung dieser Herausforderungen helfen. NBS sind an die Wirkungsweise der Natur angelehnte Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und die Anpassung städtischer Gebiete und ihrer ländlichen Umgebung an diesen. Aber auch der Prozess der Stadterneuerung kann durch naturbasierte Ansätze neugestaltet werden: Für Brachen müssen neue Nutzungskonzepte gefunden und umgesetzt werden, um auf diese Weise neue und nachhaltige Geschäftsideen zu fördern, Städte als Reallabore für Innovationen zu nutzen und die Kosteneffizienz solcher Entwicklungen zu testen. Bestehende Städtenetzwerke können dabei eine Schlüsselrolle zur Replikation von Demonstrationsprojekten und der Verbreitung solcher Interventionen einnehmen.

Abb. 1: NBS Beispiele in Leipzig. Karl-Heine Kanal. Copyright: Dagmar Haase

Das EU Horizon 2020 Projekt Connecting Nature („Coproduct

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11. Juli 2019

Studierende analysieren und bewerten ausgewählte Ökosystemleistungen am Beispiel Armeniens


von Matthias Pietsch

Armenien im Südkaukasus gelegen, zählt mit über 6.000 Arten zu den Hotspots der Biodiversität. Aktuell leidet das Land unter einer Vielzahl an Umweltproblemen wie Abholzung, Erosion und Bodendegradierung. Andererseits vollzieht sich ein ökonomischer Wandel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, der Entwicklung einer innovativen IT-Wirtschaft sowie der Stärkung des Tourismus und der Erholungswirtschaft.

Im englischsprachigen Masterstudiengang Landscape Architecture wurden im Rahmen einer internationalen Kooperation mit der Yerevan State University sowie Greenlane NGO ausgewählte Ökosystemleistungen für die Klosteranlage Geghard (kulturelle Ökosystemleistungen) sowie die Provinz Kotayk (Regulationsleistung: Bodenerosionsvermeidung) ermittelt und bewertet, um Potenziale für die zukünftige Entwicklung abzuleiten und vorzuschlagen.

Das Kloster Geghard gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der armenisch apostolischen Kirche und wurde im Jahr 2000 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Es besitzt ein sehr hohes Potenzial für den Ökotourismus, während negative Folgen eines Massentourismus vermieden werden müssen.

Von Diego Delso, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52483718

Mittels

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20. Juni 2019

Kognitive Archetypenanalyse: Eine partizipative Bewertung des Zusammenhangs von Landnutzung und Ökosystemleistungen


von Leena Karrasch

Landschaften erbringen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen, die je nach Interessenslage unterschiedlich genutzt werden. Oft werden Ökosystemleistungen in räumlichen Planungsprozessen außer Acht gelassen. Jedoch können Strategien zur Klimaanpassung, unter Berücksichtigung von ökosystembasierten Managementansätzen, durch Beteiligung von Stakeholdern und der Operationalisierung des Konzepts der Ökosystemdienstleistungen profitieren.

In unserer Studie nutzen wir die Archetypenanalyse, um herauszufinden, wie Entscheidungsträger aus verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren die Beziehungen zwischen Landnutzungselementen und Ökosystemleistungen wahrnehmen und bewerten. Archetypen werden im Kontext einer nachhaltigen Landbewirtschaftung häufig als wiederkehrende Muster von Landnutzungssystemen verstanden, die Umweltbedingungen mit Anforderungen der Gesellschaft verknüpfen. Die Archetypenanalyse stellt einen methodischen Ansatz dar, um solche wiederkehrenden Muster zusammen mit zugrundeliegenden Prozessen und Bedingungen zu verstehen und kann Entscheidungsträgern dabei helfen, ihre besondere Situation in einem breiten Kontext zu erkennen.

In unserer Studie definieren wir kognitive Archetypen als wiederkehrende Muster in der individuellen Wahrnehmung von sozial-ökologischer Beziehungen, die sich auf die Verhältnisse von Ökosystemleistungen zu Landnutzungselementen begründen. Auch wenn die Interessen, Wahrnehmungen und Bewertungen der befragten Entscheidungstr

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13. Juni 2019

Regulierende Ökosystemleistungen aus Bergwäldern – Einfluss von Klimawandel, Störungen und Bewirtschaftung


von Katharina Albrich

Bergwälder stellen eine Vielzahl an Ökosystemleistungen bereit. Sie schützen die Bewohner von Bergregionen vor Naturgefahren (Steinschlag, Lawinen, Erdrutsche,…) und sind eine wichtige Quelle von nachwachsenden Rohstoffen (Nutz- und Brennholz), sowie ein Ort für Erholung und Sport. Gleichzeitig speichern sie Kohlenstoff und wirken so dem Klimawandel entgegen.
Der Klimawandel und häufigere Störungsereignisse (z.B. Wind, Borkenkäfer) führen aber auch zu großer Unsicherheit in Bezug auf die zukünftige Bereitstellung von Ökosystemleistungen.

Abbildung 1: Die Studienlandschaft, das Stubaital in Tirol, Österreich. Die bewaldeten Flächen sind farbig gekennzeichnet und zeigen die Variation in der Kronenüberschirmung zu Beginn der Simulation. Quelle Fotoaufnahme: Matthias Frank CC BY-SA 4.0

In unserer Studie gingen wir der zukünftigen Entwicklung der Waldökosystemleistungen in einer bewaldeten Gebirgslandschaft (Stubaital, Österreich) auf den Grund. Wir untersuchten eine Reihe von regulierenden Ökosystemleistungen, die in Bergregionen von besonderer Wichtigkeit sind:

  • Klimaregulierung durch Kohlenstoffspeicherung (Indikator: gesamter gespeicherter Kohlenstoff)
  • Regulierung des Wasserkreislaufs, Dämpfung von Abflussspitzen (I

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