3. Dezember 2019

Die Förderung von Ökosystemleistungen in ökologisch bewirtschafteten Obstplantagen in Südafrika


von Klaus Birkhofer

Ökologisch zertifizierte Obstplantagen in Europa weisen oft eine höhere Biodiversität und ein höheres Niveau an Ökosystemleistungen im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Plantagen auf. Es ist jedoch nicht ausreichend verstanden, wie Bewirtschaftungsverfahren in ökologisch zertifizierten Obstplantagen biotische Gemeinschaften und Ökosystemfunktionen verändern. Die gleichzeitige Erbringung mehrerer Ökosystemleistungen (bspw. Nährstoffkreisläufe) und eine Reduktion nachteiliger Funktionen (bspw. Schädlingsbefall) ist von entscheidender Bedeutung für ökologische Obstbauern. Im ökologischen Landbau können natürliche regulatorische Prozesse nicht durch synthetische Produkte ersetzen können (bspw. Kunstdünger, chemische Pestizide).

Unsere Studie befasst sich mit einer der wichtigsten Beschränkungen für den ökologisch zertifizierten Obstbau in Südafrika: der Verfügbarkeit von Strategien zur Schädlingsbekämpfung und zum Nährstoffmanagement in Böden. In Feldversuchen wurde dazu die Auswirkung der Behandlung mit abgestorbenem organischem Mulch unter dem Kronenraum auf mehrere Biodiversitätskomponenten und Ökosystemfunktionen in Obstplantagen (Aprikose, Pflaume, Pfirsich und Quitte) am Westlichen Kap in Südafrika untersucht. Während der Studie konnten Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg mit Kollegen der Universitäten Lund, Stockholm und Uppsala (Schweden) und der Stellenbosch University und Univer

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26. November 2019

Die Bereitschaft von Unternehmen zur freiwilligen Zahlung für Biodiversität und Ökosystemleistungen


von Marlen Krause und Bettina Matzdorf

Traditionell wird der Naturschutz vor allem durch staatliche Gelder, verpflichtende Kompensationszahlungen sowie philanthropische Unterstützung seitens Umweltorganisationen, Einzelpersonen und Unternehmen finanziert. Allerdings reichen die zur Verfügung stehenden Gelder bei Weitem nicht aus. Das Ökosystemleistungskonzept hat sich entwickelt, um Naturräume und deren Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft in Wert zu setzen und um zusätzliche Argumente für den Naturschutz zu schaffen, basierend auf einer rationalen, anthropozentrischen Perspektive auf die Natur. Damit wird unter anderem die Hoffnung verbunden, zusätzliche Gelder für den Naturschutz zu mobilisieren, indem neue Zielgruppen, bzw. Unterstützerkreise angesprochen werden, die nicht – oder nicht nur – durch uneigennützige Argumente zu freiwilligen Naturschutzzahlungen motiviert werden können. Aufgrund ihres Finanzvolumens und ihrer innewohnenden, gesellschaftlichen Verantwortung wird vor allem bei Unternehmen das Potential gesehen, einen entscheidenden finanziellen Mehrbeitrag zum Naturschutz zu leisten.

Umso erstaunlicher ist es, dass bisher in nur recht wenigen empirischen Forschungsarbeiten die Perspektive von Unternehmen auf Ökosystemleistungen näher untersucht wurde. Daher ist beispielsweise nicht hinreichend bekannt, ob das Ökosystemleistungskonzept tatsächlich mehr freiwillige Unternehmenszahlungen für Naturschutzzwecke anregen kann, welche Faktoren die Zahlungsbereitschaft bee

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20. November 2019

Urban Ecosystem Disservices – das Beispiel der Berliner Straßenbäume


von Peer von Döhren und Dagmar Haase

Ökosysteme leisten wichtige Beiträge zu menschlichem Leben auf der Erde. Sie stellen die Grundlagen für Ernährung, Bekleidung und weitere materielle Güter zu unserer Verfügung, regulieren die Umweltschäden und bieten Räume die wir zur Erholung und damit zum Erhalt unserer seelischen Gesundheit benötigen. All dies sind Beispiele für die positiven Ökosystemleistungen (engl. „Ecosystem Services“), durch welche die Natur unser Überleben und Wohlergehen ermöglicht. Doch die Natur bringt auch Prozesse hervor, die dem menschlichen Wohlergehen abträglich sind. Diese als „Ecosystem Disservices“ bezeichneten Leistungen erfahren erst seit etwa einem Jahrzehnt verstärkt wissenschaftliche Aufmerksamkeit, was auch den bislang fehlenden deutschen Begriff für dieses Konzept erklärt.

Ecosystem Disservices umfassen ein weites Feld von negativen Effekten, welche sich unterschiedlich stark auswirken. Dazu gehören gesundheitliche Beeinträchtigungen, zum Beispiel Allergien, insbesondere solche, die durch Pollen ausgelöst werden; aber auch Infektionskrankheiten; Schädlingsbefall an Nutzpflanzen, Nutztieren oder gar Menschen; Beeinträchtigungen der Sicherheit, wie sie zum Beispiel durch von Baumwurzeln verursachte Straßenschäden oder gar umstürzenden Bäumen verursacht werden, und Viele mehr. Für viele Naturfreunde erscheint das Konzept von Ecosystem Disservices auf den ersten Blick hinderlich, wenn nicht gar schädlich bei der

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13. November 2019

Grüne Freiräume in heterogenen Quartieren sowie Chancen ihrer kooperativen Entwicklung: Wie sind diese Debatten bislang verknüpft und welche offenen Fragen gibt es?


von Annegret Haase & Anika Schmidt

Die Debatte zur Rolle und Funktion urbaner Frei- und Grünräume im Quartier hat in den letzten Jahren an Perspektiven gewonnen und ist sowohl thematisch als auch hinsichtlich der theoretisch-konzeptionellen Zugänge vielschichtiger geworden (u.a. Kowarik et al. 2016). Debatten, welche von der Perspektive der Stadtökologie auf Freiräume schauen, nehmen sozialwissenschaftliche Erkenntnisse stärker in den Blick, wogegen in der sozialwissenschaftlichen Forschung Themen wie Natur und Biodiversität „entdeckt werden“. Schritt für Schritt entwickelt sich hier eine integrative Perspektive. Damit rücken auch kritische Aspekte – wie die der Umweltgerechtigkeit und der Rolle von Freiräumen im Kontext der Teilhabe – mehr in den Vordergrund. Diese Debatten und Ansätze sollten ausgebaut werden, denn wenig bis unreflektierte Vermutungen zum grundsätzlich positiven Effekt von Stadtgrün und Begrünung für das soziale Miteinander sind nach wie vor weit verbreitet. Insbesondere werden Aspekte der sozialräumlichen Ungleichheit, ungleiche Zugangs-, Verteilungs- und Machtlogiken kapitalistischer Marktbedingungen und die Bedingungen multipler Benachteiligung noch zu wenig mitgedacht. Es gibt einerseits viele Vermutungen über die positiven Effekte von städtischem Grün, also urbaner grüner Infrastruktur, für den städtischen Sozialraum bzw. den sozialen Zusammenhalt. Andererseits werden Probleme, Ambivalenzen oder Konflikte – besonders Zielkonflikte zwischen ökologischer A

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4. November 2019

Auswirkungen von Gewässerrenaturierungsmaßnahmen auf Ökosystemleistungen


von Lena Hornung und Simone Podschun

Bis 2027 müssen alle Gewässer in der EU einen guten ökologischen Status erreichen. Aktuell sind wir jedoch noch weit davon entfernt, in Deutschland verfehlen 92 % der Flüsse und Seen dieses Ziel. Warum geht das also so schleppend? Entscheidungsträger*innen stehen vor der komplexen Aufgabe geeignete Maßnahmen auszuwählen und diese mit viele Interessen in Einklang zu bringen, wie etwa dem Anbau von Kulturpflanzen in den Flussauen, mit Dämmen zum Schutz vor Hochwasserereignissen, Tourismus oder mit dem Bedarf an Flächen für Wohnraum und Industrie. Mögliche Maßnahmen sind beispielsweise die Renaturierung einer Auenfläche mit dem Anschluss eines Altarms, das Anlegen eines Gewässerrandstreifens entlang eines Flusses oder das Einbringen von Kies. Die Darstellung der versorgenden, regulierenden und kulturellen Ökosystemleistungen kann dabei helfen die Vorteile und Nachteile von Renaturierungsmaßnahmen transparent zu machen.

Der Preiner Renaturierungsmaßnahme beginnt mit einer langen Liste von Maßnahmen der EU Wasserrahmenrichtlinie und der EU Hochwasserrisikomanagementrichtlinie, die für den deutschen Kontext im LAWA Blano Katalog gelistet sind. Wir haben die Maßnahmen zu 17 Gruppen zusammengefasst und diesen die jeweiligen potentiellen Auswirkungen auf 23 Ökosystemleistungen in einer Matrix gegenübergestellt.

Mit Hilfe unserer Matrix (Abb 1) ist es möglich auf einen Blick diejenigen Maßnahmen auszuwählen, die besonders viele positive Effekte auf unters

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