23. August 2021

Die Planung naturbasierter Lösungen für Flusslandschaften: Schlüsselkriterien, Planungsschritte und Umsetzungsprinzipien


von Barbara Schröter & Christan Albert

Flusslandschaften stehen vor großen Herausforderungen, denn mehr als die Hälfte aller Flüsse in Deutschland sind durch den Menschen durch Baumaßnahmen wie Flussbegradigungen, Stauungen, Trockenlegungen von Feuchtgebieten oder der Bau von Deichen erheblich verändert worden. Dies hat nicht nur die Verschlechterung des ökologischen Zustands der Flüsse zur Folge, der sich z.B. in verstärkter Erosion, Abnahme und Verschmutzung des Grundwassers, Rückgang der Artenvielfalt sowie Verlust von Ästhetik und Erholungsfunktionen zeigt. Heutige Flusslandschaften sind den zunehmenden Extremereignissen, der Ressourcenknappheit und dem Biodiversitätsverlust kaum gewachsen. Der Klimawandel erhöht das Risiko von Überschwemmungen und Trockenheit. Oftmals können diese Flüsse wichtige Funktionen, wie das Abmildern von Hochwasserereignissen oder das Ausgleichen von Wassermangel bei Trockenheit, nicht mehr ausreichend erfüllen.

Naturbasierte Lösungen bieten konkrete und langfristige Umgangsmöglichkeiten mit diesen gesellschaftlichen Herausforderungen, indem sie natürliche ökologische Funktionen

fördern und nutzen. Ein Beispiel ist die Renaturierung von Flussauen, die dazu beitragen kann, Hochwasserspitzen zu vermindern.

Um Flussgebiete nachhaltig zu entwickeln, die genannten Herausforderungen anzugehen und dabei die Ansprüche von Mensch und Natur zu berücksichtigen hat die Forschungsgruppe PlanSmart einen Rahmen zur Planung und Umsetzung naturbasierter Lösungen in Fl

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10. Dezember 2020

Naturbasierte Lösungen werden in deutschen Hochwasserrisikomanagement – Plänen kaum berücksichtigt


von Mario Brillinger

Seit einigen Jahren wachsen das Interesse und die Erwartungen der Politik und Forschung an sogenannten naturbasierten Lösungen (engl. Nature-Based Solution, kurz NBS). Darunter werden Maßnahmen verstanden, welche die Wirkungsweise von Ökosystemprozessen grüner und blauer Infrastrukturen nutzen und fördern, um dadurch gesellschaftliche Herausforderungen, wie die des Klimawandels, des Biodiversitätsverlusts und des mangelnden Gewässerzustandes, auf nachhaltige Weise bewältigen zu können (Albert et al. 2019). Ein Typ von NBS sind Maßnahmen des natürlichen Wasserrückhalts wie die Renaturierung von Flussauen und die Wiederanbindung von saisonalen Bächen, die durch die Verbesserung natürlicher hydrologischer Prozesse im Gewässersystem zur Verringerung des Hochwasserrisikos, zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Förderung der Artenvielfalt beitragen können (www.nwrm.eu). Diese Potentiale wurden auch zunehmend von der europäischen und nationalen Wasserpolitik erkannt (REF). So wurde beispielsweise mit der EU-Hochwasserrichtlinie (2007/60/EG) und der damit verbundenen Einführung von Hochwasserrisikomanagementplänen (HWRM-Pläne) das Leitbild “den Flüssen mehr Raum zu geben” institutionalisiert (Hartmann 2011). Das Hochwasserrisiko in Flussgebieten soll künftig nicht nur mit massiven, wasserbaulichen Anlage wie Deiche, Polder und Rückhaltebecken, sondern auch mit der Rückgewinnung von natürliche Rückhalterä

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4. Dezember 2020

Kulturelle Ökosystemleistungen in Bergregionen: Konzeptualisierung von Nutzungskonflikten und Nutzungsbeschränkungen


von Uta Schirpke

Berglandschaften bieten eine Vielzahl an kulturellen Ökosystemleistungen (ÖSL), aber es scheint immer häufiger zu Konflikten oder Einschränkungen im Nutzen kultureller ÖSL zu kommen. Ein besseres Verständnis solcher Konflikte und Einschränkungen könnte das Management von Bergregionen verbessern und ein hohes Maß an kulturellen ÖSL aufrechterhalten. Konzeptionelle und empirische Untersuchungen zur Identifikation und Bewertung von Konflikten und Nutzungsbeschränkungen in qualitativer, quantitativer und räumlicher Hinsicht sowie zu Wechselwirkungen in sozioökologischen Systemen sind jedoch noch selten und geeignete Methoden sind weitestgehend unterentwickelt. Eine neue Studie stellt die Ergebnisse eines Expertenworkshops vor und erarbeitet elf Fallstudien aus den Alpen sowie anderen Gebirgen weltweit zu verschiedenen kulturellen ÖSL, um Konflikte und Einschränkungen der Nutzung von kulturellen ÖSL in Bergregionen zu konzipieren.

Da kulturelle ÖSL durch Interaktionen zwischen Mensch und Natur erzeugt werden, wurde für die Auswertung der Fallstudien ein mehrdimensionales Framework verwendet (Abb. 1). Demnach können Konflikte und Einschränkungen aus vier Quellen innerhalb des sozioökologischen Systems sowie durch externe Faktoren entstehen: (1) soziales System; (2) Governance; (3) Ökosystem; und (4) Nutzung von kulturellen ÖSL. Darüber hinaus beeinflussen (5) externe Faktoren das regionale sozioökologische System, was eine zusätzliche Quelle für Konfli

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19. Juni 2020

Multifunktionelle Landschaften in den Alpen


von Lisa Huber

In einer multifunktionellen Landschaft werden mehrere Ökosystemleistungen innerhalb desselben abgegrenzten Gebietes bereitgestellt. Multifunktionelle Landschaften haben den Vorteil, dass sie zugleich soziale, kulturelle, ökologische und ökonomische Bedürfnisse der BewohnerInnen abdecken und daher Konflikten zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen vorsorgen und entgegenwirken können. Multifunktionalität ist ein zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Landschaft, um den Herausforderungen des globalen Wandels standzuhalten. Aus diesen Gründen wurde Multifunktionalität ein Kerngedanke in Raumplanung und Landnutzungspolitik.

Für unsere Fallstudie untersuchten wir die beiden Bergdörfer Vent und Obergurgl in den Ötztaler Alpen in Österreich. Die Bereitstellung von Ökosystemleistungen in den beiden Dörfern wird nicht nur durch naturräumliche Gegebenheiten bestimmt, sondern durch Landnutzungsentscheidungen der Bevölkerung maßgeblich beeinflusst. So wie im gesamten Alpenraum, war auch die Landnutzung in Obergurgl und Vent lange Zeit für die Bereitstellung von Versorgungsleistungen („Provisioning Ecosystem Services“) optimiert (z.B. landwirtschaftliche Produktion und Rohstoffe), da diese die Lebensgrundlage der EinwohnerInnen bildeten. Beginnend mit Mitte des 19. Jahrhundert wandelte sich die Wirtschaft des gesamten Alpenraums und somit auch die Landnutzung: Landwirtschaftliche Flächen in Gunstlagen (Tallagen) wurden intensiv

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10. Juni 2020

Die Ruhepause nutzen: Grünflächen und deren Ökosystemleistungen „im Winterschlaf“. Das Beispiel Berlin.


von Dagmar Haase, Manuel Wolff, Karolina Sitnik

Im Gegensatz zu viele Studien zu Erholungsaktivitäten auf und in urbanen Grünflächen wie Parks, Gärten oder grünen Brachen im Sommer gibt es kaum Studien zu der Wahrnehmung und Nutzung von Ökosystemleistungen grüner Infrastrukturen im Winter. Man könnte nun sagen, im Winter „schläft die Natur“ – dies greift aber aus zwei Gründen zu kurz. Zum einen ist der Winter eine wichtige Jahreszeit für mitteleuropäische Ökosysteme, da Energie- und Stoffaustausch sowie –produktion heruntergefahren werden und sich gerade im Sommer stark frequentierte Grünflächen „erholen“ können. Zum anderen kann insbesondere im Zuge des Klimawandels in vielen Regionen Europas, beobachtet werden, dass Lufttemperaturen in der kalten Jahreszeit bis auf über 20 Grad steigen, Grünflächen grün bleiben und Hecken und Gefäßpflanzen im Winter blühen. Führen die weniger kalten Winter jetzt dazu, dass urbane Grünflächen ganzjährig genutzt werden und damit diese Ruhepause verloren geht? Ist es gar eine positive Entwicklung, da die Outdoor-Erholung in unseren Städten nun ganzjährig gegeben ist und damit noch effektiver zur Gesundheit bzw. zum Wohlbefinden der Bewohner beiträgt?

Dieser Frage ist ein interdisziplinäres Studienprojekt am Institut für Geographie der Humboldt-Universität zu Berlin nachgegangen. In enger Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Fachpersonal haben die Studierenden verschiedene Strukturen in bekannten Parks in Berlin kartiert sowie mittels eine

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