26. März 2019

Payments for Ecosystem Services (PES): Private und staatliche Zahlungen für die Vermeidung von Risiken für Ökosystemleistungen


von Carolin Biedermann

Payments for Ecosystem Services (PES) sind ein in den letzten Jahren viel diskutiertes Instrument zur Minderung des Verlustes von Ökosystemleistungen und Biodiversität. In unserem Beitrag für den „Atlas of Ecosystem Services“ stellen wir anhand konkreter Beispiele vor, wie unterschiedlich solche Zahlungsmechanismen ausgestaltet sein können und welche Chancen aber auch Herausforderungen bei ihrer Umsetzung bestehen.

Kernelement eines PES ist die Bereitstellung positiver finanzieller Anreize, die Landnutzer dazu bewegen sollen genau definierte Ökosystemleistungen bereitzustellen oder Maßnahmen umzusetzen, von denen angenommen wird, dass sie zu diesen definierten Leistungen führen. Landnutzer werden also dafür bezahlt, dass sie zulässige negative Auswirkungen auf Ökosystemleistungen verringern bzw. durch ihr Handeln Ökosystemleistungen und Biodiversität erhalten oder wiederherstellen. Dabei spielen nicht nur Aspekte wie Zusätzlichkeit, Effektivität und Effizienz eine wichtige Rolle, sondern auch der sozial-ökologische Kontext und damit verschiedene Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

Eine Schlüsselrolle für erfolgreiche PES spielen staatliche Akteure. Einerseits können sie durch gesetzliche Vorgaben und das Festlegen von Umweltstandards großen Einfluss auf Angebot und Nachfrage nehmen und damit bestimmen, ob die verschiedenen Ak

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18. März 2019

Landschaftsmanagement bestimmt die Multifunktionalität von Agrarflächen


von Jacqueline Loos

Fast die Hälfte aller europäischen Landschaften werden landwirtschaftlich genutzt. Diese Agrarökosysteme spielen eine große Rolle für den Erhalt der Biodiversität und der verschiedenen Funktionen und Ökosystemleistungen. Solche Leistungen beinhalten neben Anbauprodukten beispielsweise auch Kohlenstofffixierung und Wasserrückhalt. Darüber hinaus sind europäische Agrarlandschaften einen Schauplatz der Mensch-Umwelt-Beziehungen und garantieren nicht nur ein Einkommen für die Landwirte, sondern stellen auch einen Ort der kulturellen Identität dar. Diese Multifunktionalität von Agrarlandschaften wird jedoch durch eine immer einseitigere Verwendung in Mitleidenschaft gezogen, was wiederum eine Reduktion der Biodiversität mit sich bringt.

Spätestens seit der Erkenntnis über das große Insektensterben steht nunmehr das Management unserer Agrarflächen der Herausforderung gegenüber, den beiden Hauptursachen für diesen Verlust von Multifunktionalität und Biodiversität zu begegnen. Diese Ursachen sind zum einen die Nutzungsaufgabe extensiv bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen, wie be

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11. März 2019

Ökosystemleistungen in schrumpfenden Städten: Optionen, Governance und Herausforderungen


von Dagmar Haase, Annegret Haase, Dieter Rink

Die Schrumpfung von und in Städten ist seit Längerem eine wichtige Frage für Städte und Stadtregionen in Europa, Japan, Teilen der Vereinigten Staaten und anderen Regionen weltweit. Schrumpfung bedeutet  in erster Linie Verluste von Bevölkerung und oftmals auch Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen. Direkte Folgen sind z.B. Wohnungs- und Gewerbeleerstand, eine Unternutzung von Infrastruktur sowie, als Konsequenz,  der Abriss von Bausubstanz und das Brachfallen urbaner Flächen. Zugleich bietet die geringe Nachfrage an Raum oder Fläche aber auch die Chance für eine erneuerte und zusätzliche Begrünung in dicht bebauten und altindustrialisierten Städten. Gerade auf nicht mehr gebrauchten Bahnanlagen oder innerstädtischen Flugplätzen, aber auch auf Abrissflächen in Gewerbe- und Wohngebieten entstehen so Flächen für neue urbane Wälder, neue Parks oder Stadtgärten, welche eine ganze Reihe wertvoller Ökosystemleistungen für die Stadtbewohner bereitstellen: Naherholung, Kontakt zu Natur, Klimaregulation und Abkühlung an heißen Sommertagen, Heimat für Stadtbienen, Hummeln und viele verschiedene Vogelarten. Bei ansteigenden Zahlen von Stresserkrankungen in der Stadt sind grüne Flächen auch wichtige Orte mentaler Erholung und Stärkung in der Stadt des 21. Jahrhunderts. Im Folgenden wird dieser Zusammenhang zwischen Schrumpfung und Ökosystemleistungen in Städten am Beispiel der Großstadt Leipzig, welche eines der prominenteste

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28. Februar 2019

Können bestehende Bewertungen von Waldleistungen das forstliche Management unterstützen?


von Alexandra Müller

Viele Waldleistungen sind öffentliche Güter, d.h. sie zeichnen sich durch Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschliessbarkeit aus. Solche Güter und Leistungen werden nicht auf Märkten gehandelt und haben daher keinen Marktpreis. Ihre Bewertung kann jedoch wichtige Informationen für die Entscheidungsfindung in der Forstwirtschaft sowie in der Politik liefern. Dies insbesondere dadurch, dass verschiedene Handlungsoptionen miteinander verglichen, Prioritäten für geplante Massnahmen gesetzt sowie finanzielle Anreiz- und Unterstützungssysteme entwickelt werden können.

In unserem Artikel “Can Existing Estimates for Forest Ecosystem Services Values Inform Forest Management?” haben wir untersucht, ob ein umfassendes ökonomisches Bewertungsmodell für Waldleistungen auf Basis existierender Daten entwickelt werden kann. Dazu haben wir analysiert, inwieweit eine Übertragung von Bewertungsergebnissen (Benefit Transfer) von Primärstudien auf andere Regionen/Fallstudien zielführend ist und welche Herausforderungen dabei entstehen. Mittels Literaturrecherche haben wir eine umfangreiche Datenbank mit Bewertungsergebnissen erstellt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das Zusammentragen dieser Daten allein kein zielführender Ansatz ist, da die Werte stark variieren und sich keine Muster, z.B. in Abhängigkeit von der gewählten Bewertungsmethode oder der zu bewertenden Waldleistung, erkennen lassen. Ein grun

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14. Februar 2019

Einfluss von Landnutzungsänderungen auf bodenbezogene Ökosystemleistungen und Landschaftsstrukturen in den letzten 250 Jahren – Untersuchungsergebnisse aus einer heutigen Intensivagrarlandschaft im Raum Leipzig


von Mike Baude

Landschaftsstrukturen und Ökosystemleistungen in Agrarräumen haben sich über die letzten 250 Jahre fundamental verändert. Dabei haben Geschwindigkeit und Intensität dieser Veränderungsprozesse vor allem in den letzten 50 Jahren rasant zugenommen. Die Analyse der Landschaftsstruktur für vier Zeitschnitte (1750, 1850, 1950, 2005) hat eine Zunahme des Anteils der Ackerfläche von 73,4 % (1750) auf 87,2 % (2005) in einer heutigen Intensivagrarlandschaft im Raum Leipzig gezeigt. Gleichzeitig hat der Anteil an Grünflächen von 22,1 % auf 4,2 % abgenommen. Die Analyse ausgewählter bodenbezogener Ökosystemleistungen basierte auf den Indikatoren Getreideproduktion, natürliches Ertragspotential des Bodens, Bodendegradation durch Erosionsgefährdung und Biodiversität. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Produktion von Winterweizen seit 1750 nicht nur durch den Flächenzuwachs, sondern auch durch veränderte Produktionsmechanismen und den Einsatz von Mineraldüngern und Pestiziden deutlich angestiegen ist (>200 %). Auf Basis historischer Bodenbonitierungen und EROSION 3D-Modellierung konnte berechnet werden, dass sich das natürliche Ertragspotential der Böden verschlechtert und das Erosionsrisikopotential vergrößert hat. Die Biodiversität ist zwischen 1750 und 1850 zunächst durch die veränderte Landnutzung gestiegen (mehr Habitatvielfalt) und nimmt mit Beginn der industriellen Revolution leicht ab. Seit der Vollkollektivierung 1960 und de

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