10. Juli 2017

Kleinod, Rückzugsraum und Open Space oder einfach nur „Urbane Gärten“. Ein großes Potenzial für urban Ökosystemdienstleistungen für alle, aber aktuell in Gefahr


von Dagmar Haase, Annegret Haase, Anna Dankowska

Der Garten in der Stadt – das ist mehr als nur eine Grünfläche, mehr als ein Ort der Erholung, des Anbauens von Blumen, Obst und Gemüse oder einfach ein Stück „heile Welt“. Gärten sind wichtige Orte des Erlebens und Erhaltens von städtischen Ökosystemleistungen.

Urbane Gärten sehen sich heute neuen Herausforderungen gegenüber. Großstädte in Deutschland und Europa wachsen kontinuierlich. Der Bauboom lässt erschlossenes Land knapper werden, Bodenpreise steigen. Ob traditionelle Kleingartenparzelle oder moderner Gemeinschaftsgarten – sie sind wertvolles Bauland, vor allem in der Innenstadt. Um das Überleben des urbanen Gartens langfristig zu sichern, bedarf es daher heute einer engen Kooperation der Klein- und Gemeinschaftsgärtner. Die Entwicklung in dynamisch wieder-wachsenden ostdeutschen Großstädten mag im Folgenden als prominentes Beispiel für diese Entwicklung dienen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Mensch mithilfe des Gartens die Natur in der Stadt zurückerobert. Im Zeitalter der Industrialisierung entstanden in vielen europäischen Städten öffentliche Parks, Lustgärten und Kleingartenkolonien. In den berühmten Schrebergärten in Leipzig etwa verbrachten die Stadtbewohner ihre Freizeit, bauten Obst und Gemüse an, verweilten in der Natur und entspannten. Dass Gärten auch eine politische Funktion haben, erlebte die Bevölkerung erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg: Plötzlich waren sie nicht mehr nur dafür da, um knappe Lebensmit

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3. Juli 2017

Ökosystemleistungen und Umweltfolgen: Konzeptionelle Unterschiede in der Bewertung am Beispiel der Bioenergie


von Markus Meyer & Florian Leckert

Bioenergie soll in vielerlei Hinsicht dazu beitragen, das Leben und Handeln auf der Erde nachhaltiger zu gestalten. Neben sozioökonomischen Vorteilen soll eine Neuausrichtung der Energieversorgung die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern mindern und sich vorteilhaft auf die Klimabilanz auswirken. Doch die Umstellung auf eine Energieversorgung aus biologisch erzeugten Energieträgern birgt auch Risiken.

Um etwaige Umweltrisiken zu identifizieren, ist es nach der „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ der EU notwendig, eine Bewertung der Auswirkungen von Bioenergien sowohl auf die Umwelt als auch auf Ökosystemleistungen durchzuführen. Die vage Bewertung der Umweltfolgen mit Zertifizierungssystemen als anerkanntes Complianceinstrument lässt einen großen Freiraum bei der Wahl der Bewertungsmethoden.

Uns interessierte, welche Bandbreite an Methoden Studien zur Bewertung von Umweltfolgen und Ökosystemleistungen im Kontext der Bioenergie anwenden und welche Stärken und Schwächen zu erkennen sind. Hierzu wurden die Vorgehensweise und Kernpunkte aus insgesamt 76 Studien zu Umweltbewertung und Ökosystemleistungen verglichen und zu Gruppen statistisch zusammengefasst. Neu an unserem Artikel „A systematic review of the conceptual differences of environmental assessment and ecosystem service studies of biofuel and bioenergy production“ ist die

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26. Juni 2017

Analyse der Präferenzen von Anbietern und Nachfragern für Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen für eine nachhaltige Landnutzung in Madagaskar


von Nonka Markova-Nenova

Im Rahmen des interdisziplinären Projektes SuLaMa (Sustainable Landmanagement in south-western Madagascar) wurden u.a. die bestehenden nicht-nachhaltigen Landnutzungsformen auf dem artenreichen Mahafaly-Plateau untersucht und Vorschläge für eine produktivere und nachhaltige Landnutzung erarbeitet. Das ökonomische Arbeitspaket von SuLaMa, betreut von der BTU Cottbus-Senftenberg, hat dabei u.a. exemplarisch Ideen für Designelemente von “Payments for Ecosystem Services” (PES) – Zahlungen für ökologische Leistungen der Landnutzer in sehr armen Gegenden in Entwicklungsländern entwickelt.

Dornwald in der Mahafaly Region. Foto: Johanna Götter

Um entsprechende Vorschläge zu erarbeiten wurden mithilfe der Methode Choice Experimente unterschiedliche Fragestellungen bezogen auf das Design von PES analysiert. Befragungen zur Zahlungsbereitschaften für den Erhalt der Dornwälder als Habitat für gefährdete Arten in Cottbus und in Antananarivo, Madagaskar, haben gezeigt, dass ausländische wie auch inländische potentielle Spender starke Präferenzen für eine gerechte Aufteilung der Zahlungen unter den einheimischen Landnutzern aufweisen. Ein weiteres Experiment wurde unter der lok

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19. Juni 2017

Neues Open Access-Buch „Mapping Ecosystem Services“


von Benjamin Burkhard

Die räumliche Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen ist ein zentrales Thema derzeitiger Forschungen, vielzähliger Projekte sowie Politikinitiativen. Vielfältige Methoden sind hierzu entwickelt und in der Praxis angewendet worden. Das im März 2017 erschienene Textbuch vermittelt in 8 Kapiteln auf 376 Seiten das notwendige Hintergrundwissen, zahlreiche Methoden sowie praktische Anwendungen dieses komplexen Themas in kurzen, prägnanten und reich bebilderten Kapiteln. Neben Anwenderinnen und Anwendern aus der Wissenschaft, Praxis, Politik- und Entscheidungsfindung, Studierenden ist das Thema insbesondere relevant für die ESP-DE Arbeitsgruppe Erfassen und Bewerten, die sich unter anderem mit der Umsetzung der Maßnahme 5 des 2. Zieles der EU Biodiversitätsstrategie (MAES-DE Community of Practice) beschäftigt. Die Herausgeber Benjamin Burkhard (Leibniz Universität Hannover) und Joachim Maes (JRC Ispra) sind seit Jahren aktiv mit flächenhaften Erfassungen und Bewertungen von Ökosystemleistungen beschäftigt und leiten u.a. die thematische Arbeitsgruppe Mapping Ecosystem Services in der

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12. Juni 2017

Zurück zur Natur! Oder etwa doch nicht? Städter und ihr Wald am Beispiel von Berlin


von Dagmar Haase und Neele Larondelle

Wald in der Stadt? Stadtwald? Als Ort der Erholung für Urbaniten? Ja! Eine aktuelle Studie zum Berliner Grunewald bestätigt genau das. Wald ist wichtig und erfüllt eine ganze Reihe von Ökosystemdienstleistungen für den stressgeplagten Städter. So steht es in der Literatur zu urbanen Ökosystemen und der zu Ökosystemleistungen. Und: das sagen auch die Berliner, zumindest diejenigen, welche bei der Befragung im Grunewald, einem 3000 Hektar großen innerstädtischen zusammenhängendem Waldgebiet, letztes Jahr teilgenommen haben.

Der Grunewald in Berlin und die Standorte der Befragung. Copyright: Neele Larondelle und Dagmar Haase

Was schätzen die Stadtbewohner nun am Grunewald? Welche Natur suchen die Waldbesucher im Grunewald und was sind die Ökosystemdienstleistungen, welche sie besonders schätzen? Sie gehen dort spazieren und den Hund ausführen, nutzen die Lichtungen und Gewässer für ein Picknick und als Spiel- und Liegefläche und genießen die Stille der Natur. Oder den Vogelgesang. Manche nutzen den Grunewald allerdings auch „nur“ als schnellen Transit durch die Stadt. Wichtig ist den Besuchern im Grunwald des Weiteren die Ausstattung und Infrastruktur der Erholungsfläche, sprich Wege, Papierkörbe, Toiletten und eine gute Anbindung an der ÖPNV

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