8. August 2018

Informationsgehalt von globalen Ökosystemleistungs-Datenbanken und deren Eignung für Entscheidungsempfehlungen


von Stefan Schmidt

Konzepte bestimmen wie wir die Welt wahrnehmen und gestalten. Das Konzept der Ökosystemleistungen (ÖSL) ist ein integrativer Ansatz, der hilft die Zusammenhänge zwischen Natur und menschlichem Wohlergehen besser zu verstehen, mit dem Ziel nachhaltigere Entscheidungen zu treffen. Die Einbeziehung von ÖSL-Informationen in die Entscheidungsfindung (Mainstreaming) ist jedoch ein langfristiges Projekt und erfordert die erfolgreiche Überwindung einer Reihe von Hindernissen. Ein Hindernis für ein umfassendes Mainstreaming von ÖSL ist das Fehlen von Standards, die Terminologie, akzeptable Daten und Methoden sowie Erfordernisse für die Berichterstattung zum Austausch konsistenter Informationen über ÖSL definieren. Mit der wachsenden Popularität des ÖSL-Konzepts in einer Zeit wissensorientierter Sichtweisen und verstärkter globaler Vernetzung führte eine zunehmende Verbreitung von Terminologien, konzeptionellen Vorstellungen, Methoden und Datensätzen zu inkonsistenten Informationen und Verwirrung darüber, was Ansätze guter Praxis ausmacht. In den letzten Jahren wurden verschiedene Ansätze des Wissensmanagement entwickelt, um den Zugang zu ÖSL-Informationen zu erleichtern und Standardisierungsprozesse anzukurbeln. Einen Ansatz im Bereich Wissensmanagement stellen Datenbanken dar. In Datenbanken können große Mengen an Information von ÖSL-Studien oder Projekten i

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10. Juli 2018

Erfassung und Bewertung von Ökosystemleistungen in Europas Überseegebieten


von Ina Sieber

Die EU-Biodiversitätsstrategie, besonders Maßnahme 5 des zweiten Zieles, beinhaltet die Vorgaben für Europas Mitgliedsstaaten, bis 2014 ihre Ökosystemleistungen (ÖSL) zu kartieren, zu bewerten und bis 2020 den ökonomischen Wert dieser Leistungen zu prüfen (MAES Initiative). Weiterhin sollen diese in nationale Berichterstattungs- und Rechnungslegungssysteme einbezogen werden. Die Leibniz Universität Hannover koordiniert das EU Verbundprojekt ESMERALDA[1] (Enhancing ecoSysteM sERvices mApping for poLicy and Decision mAking), welches die EU Mitgliedsstaaten bei der Erfüllung der Strategie unterstützt und damit europaweit bereits große Erfolge erzielt hat.

Europas 34 überseeische Länder und Hoheitsgebiete werden in diesem Zusammenhang jedoch oft übersehen und nur peripher in nationalen Ökosystem-Assessments berücksichtigt.

In unserem aktuell erschienenen Artikel (Sieber et al. 2018) haben wir den Wissenstand aller europäischen Überseegebiete anhand einer systema

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28. Juni 2018

Nutzen eines breiten Netzwerks zur Entwicklung eines mehrstufigen Ansatzes zum Mapping von Ökosystemleistung 


von Bettina Weibel

Die EU Biodiversitätsstrategie verpflichtet die Mitgliedsstaaten zum Mapping von Ökosystemleistungen. Neben der MAES-Arbeitsgruppe unterstützt auch das ESMERALDA-Projekt als Koordinations- und Support-Aktion diese Anstrengungen. Es existiert eine Vielzahl von Methoden und Ansätzen zum Mapping von Ökosystemleistungen, je nach Situation müssen andere Aspekte berücksichtigt werden. Das erschwert jedoch die Wahl der Methodik und macht das Vorgehen intransparent und schwierig vergleichbar. Im Rahmen des ESMERALDA-Projekts wurde daher in einer Serie von Workshops ein dreistufiger Ansatz entwickelt (sog. «tiered approach»), der die Methoden grob gliedert in verschiedene Detailgrade (grob, mittel, hoch). Dies soll den Einstieg erleichtern, einen besseren Überblick bieten, Transparenz schaffen und die Kommunikation vereinfachen. Welche Stufe sinnvoll ist, ergibt sich aus dem Ziel des Mappings. Wenn ein grober Überblick genügt, ist die erste Stufe («tier 1») sinnvoll. Hierzu zählen Methoden wie die look-up tables, die Ökosystemleistungen direkt aus Landnutzungskategorien ableiten. Wenn mehr Informationen benötigt werden aber kein Verständnis der gegenseitigen Beeinflussung von Umweltprozessen erforderlich ist, dann ist ein Ansatz der mittle

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7. Juni 2018

Warum eine gerechte Governance von Ökosystemleistungen Armutsbekämpfung priorisieren sollte


von Ina Lehmann

Verteilungsfragen sind regelmäßige Begleiterinnen der Governance von Ökosystemleistungen und ihre Lösung ist allzu häufig mit Zielkonflikten verbunden. So stehen Ökosystemleistungen, die vor allem zu Gunsten einer Stakeholdergruppe reguliert werden, anderen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Zum Beispiel mögen Fischfangquoten zwar langfristig dem globalen Gemeingut der Erhaltung der Biodiversität dienen, können aber lokale Küstenfischer vor akute Probleme bei der Sicherung ihres Lebensunterhalts stellen. Derartige Zielkonflikte sind im Kern Gerechtigkeitsprobleme: Sie fordern uns heraus, gute Gründe dafür anzugeben, warum die Interessen einer Stakeholdergruppe stärker berücksichtigt werden sollten als die einer anderen. In empirischen Analysen der sozioökonomischen Folgewirkungen der Governance von Ökosystemleistungen werden die zu Grunde liegenden Gerechtigkeitsfragen zumeist nur am Rande und nur recht unsystematisch abgehandelt. Dies ist bedauerlich, weil gerade diese Literatur häufig mit expliziten oder impliziten Politikempfehlungen einhergeht.

In einer jüngst publizierten Studie hoffen wir einen Beitrag zur systematischeren Diskussion von Gerechtigkeitsfragen zu leisten. Im Lichte der großen normativen Herausforderungen, vor die sich die Naturschutzcommunity angesichts globaler Armut gestellt sieht, konzentrieren wir uns dabei

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